Indopazifische Verteidigung: Was, warum und wie?

Veröffentlichungsdatum: 17. Juli 2025 | Autor: Tom Bailey

In den vergangenen Jahrzehnten hat sich Asien zu einer der wirtschaftlich dynamischsten Regionen der Welt entwickelt, geprägt von starkem Wirtschaftswachstum, innovativen Unternehmen und wachsendem Wohlstand. Gleichzeitig ist die Region jedoch zunehmend von geopolitischen Spannungen und Konflikten geprägt.

Ein neuer Begriff hat sich etabliert, um diese Region zu beschreiben: der Indopazifik. Verteidigungspolitiker in Indien, Japan, Australien und den Vereinigten Staaten haben den Indopazifik als den relevantesten Rahmen angenommen, um den zunehmenden strategischen Wettbewerb mit China zu verstehen und darauf zu reagieren.

Auch Investoren, die sich für das Thema Verteidigung interessieren, sollten diesen Begriff berücksichtigen.

„Der Indopazifik entwickelt sich zum zentralen Schauplatz geopolitischer Risiken und militärischer Aufrüstung.“

Die Bezeichnung Asien-Pazifik reicht nicht mehr aus, da sie die breitere geopolitische Realität der Region verschleiert – von Japans Remilitarisierung und Australiens AUKUS-Verpflichtungen bis hin zu Indiens wachsender maritimer Reichweite. Der Begriff Indopazifik signalisiert eine stärker umkämpfte und multipolare Region, in der Mittelmächte zunehmend eigenständig agieren, neue Allianzen entstehen und die Verteidigungsausgaben deutlich steigen.

Quelle: https://publications.parliament.uk/pa/cm5803/cmselect/cmdfence/183/report.html

Chinas Aufstieg hat die Region destabilisiert

Quelle: SIPRI; Angaben in Milliarden USD zu konstanten Preisen von 2023 und Wechselkursen

Im Einklang mit seinem starken Wirtschaftswachstum ist auch Pekings Militärbudget in den letzten Jahren deutlich gestiegen – von rund 80 Milliarden US-Dollar im Jahr 2005 auf heute über 300 Milliarden US-Dollar. Selbst diese Zahl gilt laut verschiedenen Berichten als konservativ, da China den tatsächlichen Umfang seiner Militärausgaben möglicherweise unterbewertet.[1] Mit der Modernisierung seiner Streitkräfte ist auch sein außenpolitisches Auftreten selbstbewusster geworden, was in einer Region mit zahlreichen ungelösten Territorialkonflikten für zusätzliche Spannungen sorgt.

Chinas Anspruch auf nahezu das gesamte Südchinesische Meer – gestützt auf die sogenannte Neun-Striche-Linie – bringt das Land in Konflikt mit Vietnam, den Philippinen, Malaysia und Indonesien. Seine Ambitionen in Bezug auf Taiwan bleiben der größte geopolitische Brennpunkt. Während Washington seine Unterstützung für Taipeh offen bekräftigt, betrachtet auch Japan die Autonomie der Insel als zentral für seine eigene Sicherheitsarchitektur. Gleichzeitig bestehen zwischen Indien und China weiterhin Grenzkonflikte im Himalaya, bei denen es wiederholt zu tödlichen Zwischenfällen gekommen ist. Indien sieht zudem die zunehmende Präsenz der chinesischen Marine im Indischen Ozean mit wachsender Sorge – einer Region, die traditionell als sein Einflussbereich gilt.

Auch die Vereinigten Staaten beobachten die Entwicklungen mit zunehmender Aufmerksamkeit. Chinas militärische Transformation hat in Washington eine strategische Neuausrichtung ausgelöst, gestützt durch neue und wiederbelebte Allianzen: den Quad (USA, Indien, Japan, Australien), AUKUS (Australien, Vereinigtes Königreich, USA) sowie die breitere „Asia Pivot“-Strategie. Die Rolle der USA als führende Pazifikmacht – etabliert seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs – hängt zunehmend davon ab, Chinas Einfluss in der Region einzudämmen.

Die Aufgabenlücke

Quelle: SIPRI; https://milex.sipri.org/sipri

Trotz der bestehenden Risiken geben die meisten Staaten im Indopazifik im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt weiterhin vergleichsweise wenig für Verteidigung aus. Spitzenreiter ist Südkorea mit etwa 2,6 %, ein Wert, der vor allem durch die anhaltende Bedrohung durch Nordkorea und weniger durch regionale Ambitionen getrieben ist. Indien und Taiwan geben ebenfalls etwas mehr als 2 % ihres BIP für Verteidigung aus.

Washington zeigt sich zunehmend unzufrieden mit den Verteidigungsausgaben seiner Verbündeten im Indopazifik. Ähnlich wie die transatlantische Debatte über europäische Verteidigungsausgaben entwickelt sich auch im Indopazifik eine Diskussion über Lastenteilung. Wie US-Verteidigungsminister Pete Hegseth kürzlich formulierte:

„NATO-Mitglieder verpflichten sich, 5 % ihres BIP für Verteidigung auszugeben … es ergibt keinen Sinn, wenn europäische Länder dies tun, während wichtige Verbündete in Asien angesichts einer noch größeren Bedrohung weniger investieren.“

Japan war historisch durch seine pazifistische Verfassung und eine selbst auferlegte Obergrenze von 1 % des BIP eingeschränkt. Dies ändert sich nun. Japan hat eines der bedeutendsten militärischen Aufrüstungsprogramme seit dem Zweiten Weltkrieg gestartet. Im Jahr 2024 gab Japan 55,3 Milliarden US-Dollar für Verteidigung aus – ein Anstieg von 21 % gegenüber dem Vorjahr und 49 % mehr als 2015. Dies war der größte jährliche Anstieg seit 1952 und erhöhte die Verteidigungsausgaben auf 1,4 % des BIP, den höchsten Wert seit 1958. Diese Entwicklung ist Teil des Verteidigungsaufbauplans 2022–2027, der insbesondere auf Langstreckenfähigkeiten und Luftverteidigung abzielt. Japan hat sich verpflichtet, bis 2027 2 % des BIP für Verteidigung auszugeben.[2]

Australien steht ebenfalls unter Druck. Berichten zufolge forderte die Trump-Regierung Canberra auf, die Verteidigungsausgaben „so schnell wie möglich“ auf 3,5 % des BIP zu erhöhen.[3] Diese Forderung wurde im Rahmen eines regionalen Sicherheitsgipfels geäußert, bei dem Hegseth den australischen Verteidigungsminister Richard Marles traf – ein Zeichen dafür, wie zentral Haushaltsfragen für die Bündnispolitik geworden sind.

Aufrüsten – und exportieren

Über die reinen Budgetzahlen hinaus durchläuft die Region möglicherweise einen strukturellen Wandel: weg von der Abhängigkeit von ausländischen Waffen hin zu einer stärkeren Nutzung eigener Verteidigungsindustrien.

Indien treibt diese Entwicklung besonders konsequent voran. Als einer der weltweit größten Waffenimporteure hat die Regierung eine Politik eingeführt, die vorsieht, 75 % des Verteidigungsinvestitionsbudgets für Käufe bei heimischen Herstellern zu verwenden.[4] Japan unterstützt gleichzeitig seine heimische Industrie finanziell, um die Verteidigungsproduktion auszubauen.[5]

Neben der inländischen Produktion zeichnet sich ein zweiter Trend ab: der Einsatz von Waffenexporten als Instrument strategischen Einflusses. Länder mit etablierten Verteidigungssektoren positionieren sich zunehmend als Lieferanten für die Region. Japan hat seine Nachkriegsbeschränkungen für Waffenexporte gelockert, etwa beim Verkauf von Radarsystemen an die Philippinen, um die regionale Sicherheit zu stärken.[6]

Auch Südkorea verfolgt aktiv eine Strategie zur Ausweitung seiner Rüstungsexporte. Das Land strebt an, bis 2027 einen globalen Marktanteil von 5 % zu erreichen, gegenüber derzeit 2,2 %.[7] Im Jahr 2024 stiegen die Rüstungsexporte Südkoreas um 4,9 %.[8]

Die Investmentchance im indopazifischen Verteidigungssektor

Der Aufrüstungstrend im Indopazifik ist nicht nur eine geopolitische Entwicklung, sondern auch eine aufkommende Investmentthese. Regionale Verteidigungsunternehmen zeigen bereits Stärke. Seit Beginn des Jahres 2025 haben indopazifische Verteidigungsunternehmen – gemessen am VettaFi Future of Defence Indo-Pac ex-China Index – eine Rendite von 93,1 % erzielt.

Quelle: VettaFi; 10.07.2025. Nur zu Illustrationszwecken.

Auch die Analystenerwartungen sind stark. Wie die folgende Tabelle zeigt, wird ein EBITDA-Wachstum von nahezu 125 % in den kommenden drei Jahren erwartet, bei einem Umsatzwachstum von rund 87 %. Dies liegt sogar über den Wachstumsprognosen für europäische Verteidigungsunternehmen, für die ein EBITDA-Wachstum von etwas über 80 % und ein Umsatzwachstum von rund 65 % prognostiziert wird.

Quelle: VettaFi; 10.07.2025. Nur zu Illustrationszwecken.

Eine Region, die nicht ignoriert werden kann

Viele Investoren mit Verteidigungs-Exposure haben derzeit nur eine geringe Allokation in indopazifische Verteidigungsunternehmen. Die meisten globalen Verteidigungsindizes – und die entsprechenden ETFs – gewichten Unternehmen aus dem Indopazifik nur gering, wobei Länder wie Indien häufig gar nicht enthalten sind. Stattdessen entfällt ein Großteil des Exposures auf US-amerikanische und zunehmend europäische Verteidigungsunternehmen. Während die Perspektiven für europäische Verteidigung weiterhin überzeugend sind, wäre es ein Fehler, den Indopazifik zu vernachlässigen. Hier könnten die langfristigen Treiber der Verteidigungsnachfrage besonders stark ausgeprägt sein.

Um die Chancen im indopazifischen Verteidigungssektor näher zu erkunden, klicken Sie hier.

[1] https://chinapower.csis.org/military-spending/

[2] https://www.rusi.org/explore-our-research/publications/commentary/japans-defence-budget-surge-new-security-paradigm

[3] https://www.9news.com.au/national/us-asks-australia-to-lift-defence-spending-by-billions/2fc1cef9-a256-41cb-b581-6c9b49f903e9

[4] https://www.sipri.org/sites/default/files/2025-04/2504_fs_milex_2024.pdf

[5] https://langleyesquire.com/japan-pursues-a-military-industrial-policy/

[6] https://www.mod.go.jp/en/article/2023/11/e005fad85ab5c48087162d939209232fb4cee216.html

[7] https://en.yna.co.kr/view/AEN20221124007300325

[8] https://www.sipri.org/sites/default/files/2025-03/fs_2503_at_2024_0.pdf

The Asia-Pacific label no longer suffices because it obscures the broader geopolitical reality of the region, from Japan’s remilitarisation and Australia’s AUKUS commitments to India’s growing naval reach. Indo-Pacific signals a more contested and multipolar region – one in which middle powers are asserting agency in the face of China’s rise, new alliances are forming, and defence spending is surging.

Source: https://publications.parliament.uk/pa/cm5803/cmselect/cmdfence/183/report.html. For illustrative purposes only.

China’s rise has destabilised the region

In line with its tremendous economic growth, Beijing’s military budget has ballooned in recent years – from around $80 billion in 2005 to over $300 billion today. Even that is likely a conservative figure, according to numerous reports that China is undercounting the true extent of its military spending.[1] As its armed forces have modernised, so too has its assertiveness, provoking anxiety across a region already littered with unresolved territorial disputes.

Source: SIPRI; figures are USD$bns in constant 2023 prices and FX. For illustrative purposes only.

Beijing’s claim to nearly the entire South China Sea – through the so-called Nine-Dash Line – puts it at odds with Vietnam, the Philippines, Malaysia, and Indonesia. Its ambitions regarding Taiwan remain the biggest flashpoint. While Washington is vocal in its support for Taipei, Japan also sees the island’s autonomy as a core part of its own security architecture. Meanwhile, India has ongoing border disputes with China along the Himalayas, where border tensions have periodically turned deadly. India is also increasingly uneasy about Beijing’s growing naval presence across the Indian Ocean, long seen as Delhi’s backyard.

The United States, too, is watching warily. China’s military transformation has triggered a strategic recalibration in Washington, underpinned by new and revived alliances: the Quad (U.S., India, Japan, Australia), AUKUS (Australia, U.K., U.S.), and the broader “Asia Pivot” strategy. America’s role as the preeminent Pacific power – established since the end of World War II – now depends on its ability to contain China’s power in the region.

The spending gap

Despite the regional risks, most Indo-Pacific powers continue to spend comparatively low amounts on defence when measured as a percent of GDP. The leader is South Korea, which allocates roughly 2.6% – a figure driven by the ever-present threat of Pyongyang rather than regional ambitions. India and Taiwan also spend slightly above 2% of GDP on defence.

For illustrative purposes only

Source: SIPRI; https://milex.sipri.org/sipri.

Washington is increasingly unhappy with the defence spending commitments among its Indo-Pacific allies. Much like the transatlantic debate over European defence spending, the Indo-Pacific is witnessing its own burden-sharing row. As U.S. Defence Secretary Pete Hegseth put it recently:

“NATO members are pledging to spend 5% of their GDP on defence… it doesn’t make sense for countries in Europe to do that while key allies in Asia spend less on defence in the face of an even more formidable threat.”

Japan has been historically constrained by its pacifist constitution and a self-imposed 1% spending cap. This is changing. Japan has initiated one of its most significant military build-ups of the post-World War II era. Japan spent $55.3 billion on its military in 2024 – up 21% from the previous year and 49% more than in 2015. This was the biggest annual increase since 1952 and pushed military spending to 1.4% of GDP, the highest level since 1958. The rise is part of Japan’s 2022–2027 defence build-up, which prioritises long-range strike capabilities and air defence. Japan has committed to spending 2% of GDP on defence by 2027.[2]

Australia, in particular, is facing pressure. According to reports, the Trump administration urged Canberra to boost defence spending to 3.5% of GDP “as soon as possible.”[3] This demand came during a regional security summit where Hegseth met Australian Defence Minister Richard Marles, underlining just how central budget politics have become to alliance management.

Building to arm – and to sell

Beyond headline budgets, the region is potentially undergoing a structural shift: from dependency on foreign arms to increased reliance on regional defence industries.

India is perhaps making the most concerted effort. One of the world’s biggest buyers of weapons, the government has introduced a policy that aims to directs 75% of its defence capital budget towards buying from domestic manufacturers.[4] Japan, meanwhile, is offering fiscal support to domestic producers as it ramps up its defence-industrial capacity.[5]

But beyond domestic manufacturing a second trend is emerging in the region: the use of arms exports as a tool of strategic influence. Countries with established defence sectors are positioning themselves as suppliers to the broader region. Japan has eased its postwar restrictions on weapons exports, such as the sale of radar systems to the Philippines, which it sees as key to promoting regional security.[6]

South Korea is also actively pursuing a strategy of boosting its arms exports. The country is committed to become a global leader in arms exports, with a target of capturing 5% of the market by 2027, up from 2.2% today.[7] In 2024, South Korea increased its arms exports by 4.9%.[8]

Capturing the Indo-Pacific defence theme 

The Indo-Pacific rearmament trend is not just a geopolitical story- it’s an emerging investment thesis. Regional defence companies are already showing signs of strength. Since the start of 2025, Indo-Pacific defence companies, measured by the VettaFi Future of Defence Indo-Pac ex-China index, have returned 93.1%.

Source: VettaFi; 10/7/25. For illustrative purposes only.

Analysts’ expectations are also strong. As the table below shows, Ebitda growth is expected to be at almost 125% over the next three years, and sales growth at almost 87%. This is actually higher than growth forecasts for European defence stocks, with expected Ebitda growth over three years of just over 80%, and sales growth of almost 65%.

Source: VettaFi; 10/7/25. For illustrative purposes only.

A region that can’t be ignored

Most investors with defence exposure are likely to have relatively low exposure to Indo-Pacific defence companies. Most global defence indices (or the ETFs tracking them) have a low weighting towards Indo-Pacific defence firms, with countries such as India typically absent. Instead, investors gaining global defence exposure are likely to have much of their exposure to American and, increasingly, European defence firms. While the prospects of European defence remain compelling, it would be a mistake to overlook the Indo-Pacific. This is where the long-term drivers of defence demand may be among the strongest.

To explore the Indo-Pacific  Defence Opportunity in more detail, click here.

[1] https://chinapower.csis.org/military-spending/

[2] https://www.rusi.org/explore-our-research/publications/commentary/japans-defence-budget-surge-new-security-paradigm

[3] https://www.9news.com.au/national/us-asks-australia-to-lift-defence-spending-by-billions/2fc1cef9-a256-41cb-b581-6c9b49f903e9

[4] https://www.sipri.org/sites/default/files/2025-04/2504_fs_milex_2024.pdf

[5] https://langleyesquire.com/japan-pursues-a-military-industrial-policy/

[6] https://www.mod.go.jp/en/article/2023/11/e005fad85ab5c48087162d939209232fb4cee216.html

[7] https://en.yna.co.kr/view/AEN20221124007300325

[8] https://www.sipri.org/sites/default/files/2025-03/fs_2503_at_2024_0.pdf

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