Aufrüstung im Indopazifik: Wie stark werden die Verteidigungsbudgets bis 2030 wachsen?

Veröffentlichungsdatum: 3. September 2025 | Autor: Tom Bailey

Das Interesse von Investoren an Verteidigungsaktien im Indopazifik wächst. Die Region sieht sich zunehmenden Sicherheitsherausforderungen gegenüber – von Chinas zunehmender Durchsetzungskraft im Süd- und Ostchinesischen Meer über die Zukunft Taiwans bis hin zu nuklearen Risiken auf der koreanischen Halbinsel.

Gleichzeitig haben die Vereinigten Staaten ihre regionalen Verbündeten und Partner dazu gedrängt, stärker zu ihrer eigenen Verteidigung beizutragen. Der Indopazifik entwickelt sich zu einer der geopolitisch volatilsten Regionen der Welt und steht am Beginn einer umfassenden Aufrüstungsphase.

Die zentrale Frage für Investoren lautet jedoch: Wie stark werden diese Länder ihre Verteidigungsausgaben tatsächlich erhöhen?

Zur Beantwortung dieser Frage lässt sich die Region in zwei Kategorien unterteilen:

  1. Reife Volkswirtschaften (Japan, Südkorea, Australien, Taiwan, Singapur), bei denen Verteidigungsausgaben sinnvoll im Verhältnis zum BIP bewertet werden können – ähnlich wie in Europa.
  2. Schnell wachsende Volkswirtschaften (Indien, Indonesien, Philippinen), bei denen eine steigende Verteidigungsquote am BIP ein verzerrtes Bild liefern kann. Das BIP wächst hier voraussichtlich schneller als die Verteidigungsausgaben. Dennoch steigen die absoluten Budgets deutlich, selbst wenn der Anteil am BIP konstant bleibt.

Wir treten in eine Phase ein, in der Energiepolitik, nationale Sicherheit und Kapitalströme zunehmend zusammenlaufen – insbesondere rund um Kernenergie. Trumps Executive Orders sind dabei nicht nur politische Symbolik, sondern Teil eines breiteren globalen Politikwechsels, der potenziell starken Rückenwind für Uran und Uranproduzenten schafft.

Nachfolgend zeigen wir unsere Projektionen für die reifen Volkswirtschaften. Dabei gehen wir von folgenden Annahmen aus:

  • Ausgangsniveau 2024 basierend auf SIPRI-Daten.[1]
  • 2 % nominales BIP-Wachstum pro Jahr bis 2030.
  • Anstieg der Verteidigungsausgaben auf 3 % des BIP bis 2030, mit linearer Anpassung vom aktuellen Niveau.
  • Wir zeigen sowohl den Anstieg der Verteidigungsausgaben im Jahr 2030 im Vergleich zu heute als auch die kumulierten Mehrausgaben von 2025 bis 2030 im Vergleich zu konstanten Budgets auf dem Niveau von 2024.

LandAusgaben (Mrd. USD)Aktueller Anteil am BIP
(%)
Impliziertes BIP (2024, Bio. USD)BIP 2030 ($tn)Verteidigungsausgaben 2030 bei 3% des BIP (Mrd. USD)Anstieg 2024-2030 
(%)
Kumulierte Mehrausgaben (Mrd. USD)
Japan55.31.43.954.45133.5141.4%265.1
Südkorea47.62.61.832.0661.829.8%48.6
Australien33.81.91.78260.177.8%89.4
Singapur15.12.80.540.6118.220.5%10.7
Taiwan16.52.10.790.8926.761.8%34.3
Gesamt168.3–––300.378.4%448.1

Quelle: SIPRI Military Expenditure Database (2024). Projektionen von HANetf. Annahmen: 2 % nominales BIP-Wachstum pro Jahr; linearer Anstieg der Verteidigungsausgaben auf 3 % des BIP bis 2030; alle Angaben in konstanten US-Dollar (2023).

„Für Investoren ist die Schlussfolgerung klar: Die Verteidigungsbudgets im Indopazifik haben das Potenzial, sich in transformierendem Ausmaß auszudehnen.“

Japan dominiert das Bild. Würde Tokio seine Verteidigungsausgaben bis 2030 auf 3 % des BIP erhöhen, entspräche dies zusätzlichen Ausgaben von rund 265 Mrd. USD über den Zeitraum. Auch Australien müsste erhebliche Mehrausgaben leisten, mit nahezu 90 Mrd. USD zusätzlichen Mitteln. Dabei ist zu beachten, dass unsere Annahme von 3 % konservativ ist – es gibt bereits Forderungen aus den USA, dass Australien auf 3,5 % anheben sollte.

Taiwans Anstieg auf 3 % würde zusätzliche rund 34 Mrd. USD bedeuten – eine erhebliche Summe im Verhältnis zur kleineren Volkswirtschaft. Südkoreas Anstieg fällt mit etwa 49 Mrd. USD moderater aus, da das Ausgangsniveau bereits bei rund 2,6 % des BIP liegt. Singapur liegt bereits heute über der 3 %-Marke, was die konservative Natur unserer Annahmen unterstreicht.

Schnell wachsende Volkswirtschaften

Für Indien, Indonesien und die Philippinen verwenden wir einen anderen Ansatz. Im Gegensatz zu den reifen Volkswirtschaften wächst hier das BIP deutlich schneller, wodurch selbst konstante Verteidigungsquoten zu erheblichen Budgetsteigerungen führen.

Unsere Annahmen:

  • Ausgangsniveau 2024 basierend auf SIPRI-Daten
  • 6 % nominales BIP-Wachstum pro Jahr bis 2030 (konservativ angesetzt)
  • Konstante Verteidigungsausgaben als Anteil am BIP
  • Die Ergebnisse werden sowohl als prozentualer Anstieg der jährlichen Ausgaben bis 2030 als auch als kumulierte Mehrausgaben von 2025 bis 2030 dargestellt.
LandAktuelle Ausgaben (Mrd. USD)Aktueller Anteil am BIP (%)Impliziertes BIP (2024, Bio. USD)BIP 2030 (Bio. USD)Verteidugungsausgaben 20230 (Mrd. USD)Anstieg 2024-2030 (%)Kumulierte Mehrausgaben (Mrd. USD)
Indien86.12.33.745.3112241.7%119.9
Indonesien110.81.381.9615.742.7%15.4
Philippinen6.11.30.470.678.742.6%8.5
Gesamt103.2–––146.441.9%143.8

„Für Investoren ist die Schlussfolgerung klar: Die Verteidigungsbudgets im Indopazifik haben das Potenzial, sich in transformierendem Ausmaß auszudehnen.“

Indien sticht besonders hervor. Selbst bei unverändertem Anteil am BIP würde das Verteidigungsbudget bis 2030 auf über 120 Mrd. USD steigen – ein jährlicher Anstieg von rund 36 Mrd. USD und kumulierte Mehrausgaben von über 120 Mrd. USD im betrachteten Zeitraum.

Indonesien würde trotz niedriger Ausgangsbasis einen Anstieg von fast 5 Mrd. USD jährlich verzeichnen, was sich kumuliert auf rund 15 Mrd. USD summiert. Die Philippinen würden ihre jährlichen Ausgaben um fast 3 Mrd. USD erhöhen und insgesamt rund 9 Mrd. USD zusätzlich investieren.

Ein fehlender Faktor ist Vietnam. Als schnell wachsende Volkswirtschaft und wichtiger Akteur im Südchinesischen Meer wäre das Land relevant, jedoch fehlen verlässliche SIPRI-Daten, weshalb es nicht in die Projektionen aufgenommen wurde.

Rund 600 Mrd. USD zusätzliche Ausgaben – konservativ geschätzt

Bis 2030 ergeben unsere Berechnungen für die betrachteten Indopazifik-Staaten zusätzliche Verteidigungsausgaben von nahezu 600 Mrd. USD – davon über 448 Mrd. USD aus reifen Volkswirtschaften und rund 144 Mrd. USD aus schnell wachsenden Ländern. Vietnam ist dabei nicht einmal berücksichtigt, und die zugrunde liegenden Annahmen sind konservativ – das tatsächliche Wachstum könnte also höher ausfallen.

Dieses Wachstum impliziert eine planbare Pipeline großer Aufträge, die zunehmend an regionale Anbieter vergeben werden – nicht nur an US-Konzerne. Japan und Südkorea entwickeln sich bereits zu wichtigen Exporteuren, während Indien verstärkt auf Eigenständigkeit in der Beschaffung setzt. Insgesamt deuten die Zahlen darauf hin, dass lokale Verteidigungsunternehmen eine Neubewertung erfahren könnten, da Investoren einen größeren und verlässlicheren Markt für die regionale Verteidigungsindustrie einpreisen.

Methodik: Beispielrechnungen

Unsere Projektionen basieren auf einfachen und transparenten Annahmen, um das potenzielle Ausmaß der zusätzlichen Ausgaben zu veranschaulichen.

  • Reife Volkswirtschaften (Japan, Südkorea, Australien, Taiwan, Singapur):
    • Linearer Anstieg der Verteidigungsausgaben von ihrem Anteil am BIP im Jahr 2024 auf 3 % bis 2030
    • Nominales BIP-Wachstum von 2 % pro Jahr
    • Kumulierte Mehrausgaben im Vergleich zu einem Szenario mit konstantem Budgetniveau von 2024
    • Hinweis: Vietnam wird aufgrund fehlender konsistenter SIPRI-Daten nicht berücksichtigt. Alle Angaben in konstanten US-Dollar (2023).

Beispiel: Japan

  • Basiswert 2024: 55,3 Mrd. US-Dollar, entsprechend 1,4 % des BIP (SIPRI).
  • Bis 2030 steigt die jährliche Verteidigungsausgabe auf 3,0 % des BIP bzw. 133,5 Mrd. US-Dollar.
  • Zwischenstufen des Anstiegs (Anteil am BIP → prognostizierte Ausgaben):
    • 2025: 1,67 % → 67,2 Mrd. US-Dollar
    • 2026: 1,93 % → 79,5 Mrd. US-Dollar
    • 2027: 2,20 % → 92,2 Mrd. US-Dollar
    • 2028: 2,47 % → 105,5 Mrd. US-Dollar
    • 2029: 2,73 % → 119,2 Mrd. US-Dollar
    • 2030: 3,00 % → 133,5 Mrd. US-Dollar
  • Kumulierte Mehrausgaben 2025-2030:
    • Fortgeschriebener Basiswert = 6 × 55,3 Mrd. US-Dollar = 331,8 Mrd. US-Dollar
    • Prognostizierte Ausgaben = 596,9 Mrd. US-Dollar
    • Differenz = 265,1 Mrd. US-Dollar

Beispiel: Indien

  • Basiswert 2024: 86,1 Mrd. US-Dollar, entsprechend 2,3 % des BIP (SIPRI).
  • Der Verteidigungsanteil bleibt konstant bei 2,3 % des BIP.
  • Prognostizierte jährliche Ausgaben:
    • 2025: 91,3 Mrd. US-Dollar
    • 2026: 96,7 Mrd. US-Dollar
    • 2027: 102,6 Mrd. US-Dollar
    • 2028: 108,7 Mrd. US-Dollar
    • 2029: 115,2 Mrd. US-Dollar
    • 2030: 122,1 Mrd. US-Dollar
  • Kumulierte Mehrausgaen 2025-2030:
    • Fortgeschriebener Basiswert = 6 × 86,1 Mrd. US-Dollar = 516,6 Mrd. US-Dollar
    • Prognostizierte Ausgaben = 636,6 Mrd. US-Dollar
    • Differenz = 120,0 Mrd. US-Dollar

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